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09.10.2019

30 Jahre Montagsdemonstrationen

"Wir sind das Volk"

Am 4. September 1989 begann vor der Leipziger Nikolaikirche die erste Montagsdemonstration. Nach dem traditionellen Friedensgottesdienst nahmen erstmals mehrere hundert Menschen bei dieser nichtgenehmigten Demonstration teil, auch wenn diese bereits nach einer halben Stunde aufgelöst wurde.

Christen haben den Unzufriedenen Zuflucht und Schutz gewährt, sich über zunehmende Umweltzerstörung und politische Themen wie die massive Wahlfälschung im Frühjahr 1989 auszutauschen.

Von der Montagsdemonstration berichteten westliche journalisten, die während der Leipziger Herbstmesse in Leipzig waren. Diese Verbreitung über die Medien führte dazu, dass jeden folgenden Montag noch mehr Menschen an den Leipziger Montagsdemonstrationen teilnahmen. Die Leipziger Montagsdemonstrationen strahlten auch in andere Städte aus, und etablierten vielerorts ebenfalls Montagsdemonstrationen.

Das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachten einerseits die staatlich angeordneten Jubelfeiern am 7. Oktober aus Anlass des 40. Jahrestages der DDR, die von Michael Gorbatschow an die DDR-Führung gerichteten Worte "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!" und das gleichzeitig brutale Vorgehen von Polizei und Staatssicherheit an genau diesem Tag gegen Demonstranten und Unbeteiligte Bürgerinnen und Bürger.

Somit spielte die Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober auch eine Schlüsselrolle, bei der nach Schätzungen zwischen siebzig- und einhunderttausend Menschen auf die Straße gingen. Die Rufe "Wir sind das Volk!" ging damals mit den Nachrichten um die Welt. Die DDR-Führung traute sich angesichts dieser Menschenmassen nicht mehr, wie am 17. Juni 1953 Polizei und Stasi einzusetzen. Wie 1956 in Ungarn und 1968 beim Prager Frühling konnte auch nicht mehr auf den Einsatz der Rote Armee vertraut werden.

Auch nach dem Ausscheiden von Erich Honecker aus der Staatsführung am 17. Oktober 1989 gingen die Porteste unvermindert weiter. Genau einen Monat später, am 9. November, fiel die Berliner Mauer. Dieser gewaltlose Protest der Demonstranten ging als Friedliche Revolution in die Geschichte ein.

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